GEISENHEIM Bewegung als Therapie für Herzpatienten: Die Turnerschaft Geisenheim bietet seit vielen Jahren wöchentliche Gruppenübungsstunden mit qualifizierten Übungsleitern und Ärzten an.
Von Claudia Kroll-Kubin
Absolute Ruhe sei die beste Art der Rehabilitation. Das galt früher. Heute sieht man das anders. Herzpatienten müssen sich bewegen - am besten in der Gruppe, zusammen mit anderen Herzpatienten. Ambulante Herzsportgruppen sind eine erfolgreiche Form der Therapie. Die Turnerschaft Geisenheim bietet seit vielen Jahren entsprechende Gruppenübungsstunden mit qualifizierten Übungsleitern und Ärzten an.
Es ist warm, die Abendsonne steht leuchtend rot am Himmel. Auf dem Gelände des Geisenheimer Rheingau-Stadions trudelt nach und nach die rund 35 Mann und Frau starke Herzsportgruppe der Turnerschaft zu ihrer wöchentlichen, zweistündigen Übungseinheit ein. Vor Ort sind Übungsleiter Martin Vogel, Übungsleiterin Monika Frankenberger und Birgit Lorbeer sowie drei Ärzte aus Geisenheim, Oestrich-Winkel und Rüdesheim, die sich bei der Herzsportgruppe engagieren.
Im kühlen Schatten wird nun erst einmal der Blutdruck gemessen. Übungsleiter und Arzt entscheiden, wie die Herzsportler trainieren können. Dann erst kann es losgehen. Ziel: Kontrollierte Bewegungstherapie für mehr Lebensqualität und eine höhere Lebenserwartung. In drei verschiedene Gruppen werden die Aktiven eingeteilt. So gibt es die "Schoko-Gruppe" (augenzwinkernd angelehnt an den Begriff Schonkost), in der Patienten nach Operationen und mit erhöhtem Betreuungsbedarf oder in fortgeschrittenem Alter therapiert werden. "Man kann auch mit 90 Jahren noch unglaublich viel erreichen, die Altersspanne unserer Patienten fängt bei 40 Jahren an und ist nach oben hin offen", bemerkt der studierte Sportwissenschaftler Martin Vogel. In den beiden weiteren Gruppen werden entsprechend dem Fitnesszustand der Patienten wöchentlich zwei verschiedene Themen trainiert.
Koordinationsübungen mit einem Ball oder Kräftigungsübungen für die Beine stehen beispielsweise auf dem Programm. "Starke Muskel entlasten unser Herz und Koordination spart Energie, so brauchen wir weniger Sauerstoff", erläutert Vogel. Spezielle Sturzprophylaxe, Gleichgewichtsschulung, etwa durch Training, mit dem die Tiefensensibilität und die reflektorische Muskelaktivität verbessert wird, die der koordinativen Kontrolle des Körpers dienen, sind Teil der Übungen. Weiterhin geben die Trainer ihren Schützlingen medizinische Informationen, etwa wie eine Bandscheibe funktioniert. Und praktische Anleitungen für den Alltag - wie man leichter die Treppe heraufkommt - runden das Programm ab. Soziales Miteinander kommt vor allem bei gemeinsamen Grillfesten oder Weihnachtsfeiern zum Tragen.
Das gemeinsame Erleben in der Gruppe sei wichtig, ebenso die Harmonie der Bewegungen. "Die Übungen sollen mit allen Sinnen erspürt werden, der Kopf steuert. Wenn die Seele optimistisch ist, hilft das dem Körper", sagt Vogel." Der Erfolg der vor über 20 Jahren von Günter Kahle gegründeten Herzsportgruppe zeige sich, wenn die Patienten letztlich auch ohne Krankenschein, auf eigene Initiative, weiterhin zum Training kämen.
"Wenn einmal ein Zwischenfall auftritt, den wir in den ganzen Jahren bisher lediglich einmal hatten, sind wir bestens gerüstet", bemerkt Vogel als Gründungsmitglied der Herzsportgruppe. Es ist immer ein Arzt beim Training anwesend und jeder Übungsleiter hat einen Notfallkoffer mit Blutdruckmessgerät, Handy und Defibrillator dabei. Martin Vogel weist schließlich noch darauf hin, dass die Ärzte ihr gesamtes Betreuungshonorar am Jahresende der Herzsportgruppe spenden, man hiervon die Gerätschaften und Materialien fürs Herztraining mitfinanzieren könne.
Weitere Informationen zur Herzsportgruppe sowie zu weiteren Angeboten der Turnerschaft Geisenheim im Bereich Rehasport, wie etwa zur Gruppe für Schlaganfallpatienten sind auf der Homepage www.ts-geisenheim.de zu finden. Kontakt zum Verein unter der Telefonnummer 06722-75422.
Quelle:
http://www.wiesbadener-kurier.de/region/objekt.php3?artikel_id=3421996&rub=3